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Konzept der Wohngemeinschaft

Seit 2006 betreut unsere Einrichtung eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz und Pflegebedarf. 

Grundlage


Die Mitarbeiter orientieren sich in ihrer Haltung gegenüber den Patienten am Pflegeleitbild unserer Einrichtung. Alle Mitarbeiter sind ein Aushängeschild unserer Einrichtung.
Der Pflegedienst ist als Dienstleistungserbringer Gast in den Räumen der Wohngemeinschaft und die Mitarbeiter verhalten sich dementsprechend respektvoll.

 

bauliche Struktur und Finanzierung


Die Wohngemeinschaft befindet sich in einem Mehrfamilienhaus mit Garten in Berlin- Mahlsdorf.
Im Erdgeschoss wurden dafür vier Wohnungen zusammengelegt. Die gesamte Etage ist barrierefrei gestaltet.
Die Wohngemeinschaft bietet Platz für 10 Mieter, die jeweils ein eigenes Zimmer bewohnen. Gemeinsam werden ein großes Wohnzimmer, eine große Essküche sowie vier Bäder /Toiletten und gemeinsame Vorrats- und Kellerräume genutzt. Angeschlossen an die Wohnung lädt eine große Terrasse mit Gartenzugang zum Sitzen im Grünen ein.

Jeder Bewohner bzw. seine gesetzlichen Vertreter haben einen separaten Mietvertrag mit der Gesellschaft für Betreute Wohngemeinschaften (GeWoGe) e.V. geschlossen. Dabei ist bei einem Neueinzug auf Absprache mit dem Vermieter ein „Schnupperwohnen“ möglich, d.h. ein Wohnen auf Probe für eine begrenzte Zeit.
Die Gesellschaft für Betreute Wohngemeinschaften ist Vermieter der Wohngemeinschaft.
Die einzelnen Mieter der Wohngemeinschaft sind namentlich sowohl am Klingeschild als auch an den Briefkästen des Hauses benannt.

Die Finanzierung der Pflegekosten erfolgt über die Pflegeversicherung und ergänzende Leistungen, entweder durch den Bewohner selbst oder über den zuständigen Sozialhilfeträger.

Der Haushalt der Wohngemeinschaft wird über eine gemeinsame Wirtschaftsgeldkasse finanziert. Alle Bewohner zahlen monatlich einen festen Betrag ein. Dieser wird außerdem für Anschaffungen und Ausflüge etc. genutzt.
Auch das individuelle Taschengeld der einzelnen Bewohner kann auf Wunsch in der Wohngemeinschaft verwaltet werden.
Monatlich werden die Taschen- und Wirtschaftsgeldabrechnungen an die Betreuer bzw. Angehörigen übersandt.

 

Organisation der Pflege und Betreuung


Die Mitarbeiter führen aktivierende Pflege durch, d.h. die Ressourcen der Bewohner werden einbezogen und gefördert. Ziel ist es, so viel Eigenständigkeit wie möglich zu erhalten und das Selbstwertgefühl zu stärken.

Die Pflege wird als Bezugspflege gelebt. Den einzelnen Mitarbeitern des Teams vor Ort sind jeweils zwei bis drei Bewohner zugeordnet. Diese Bezugspflegekräfte kümmern sich um den individuellen Bedarf an Kleidung, Wäsche und Mobiliar. Sie erstellen und aktualisieren die Inventarliste der zugeordneten Bewohner und nehmen bei Besonderheiten Kontakt zu dem jeweiligen Betreuer bzw. zu den Angehörigen auf.

Dem Pflegebedarf der Bewohner entsprechend gewährleistet ein konstantes Team unserer Einrichtung eine 24-h-Pflege und Betreuung vor Ort.

Die Qualifikation der Mitarbeiter ist unterschiedlich. Die ständige Erreichbarkeit einer 3-jährig examinierten Pflegefachkraft ist gewährleistet.

Neben behandlungspflegerischen, pflegerischen und hauswirtschaftlichen Leistungen werden nach Einstufung der Bewohner auch zusätzliche Betreuungsleistungen zur Stärkung der Alltagskompetenz erbracht.
Dabei werden nach Interessenslage von den Bewohnern Spiele, Sport, Basteln, Singen, Tanzen, Zeitungsschau, Vorlesen sowie Spaziergänge und Gespräche etc. angeboten.
Die Bewohner werden nach ihren Möglichkeiten in hauswirtschaftliche Tätigkeiten und in die Vorbereitung gemeinsamer Mahlzeiten einbezogen. Dafür erfolgt eine Anleitung durch die Mitarbeiter nach dem jeweiligen Bedarf.

Die verantwortliche Pflegefachkraft, die im Frühbereich täglich vor Ort ist, organisiert Arzttermine für alle Bewohner und die Versorgung mit notwendigen Hilfsmitteln. Ebenso hält sie den Kontakt zu den an der Pflege beteiligten Partnern, wie z.B. Friseur, Fußpflege, Physiotherapie, Logopädie im Hausbesuch sowie Mobilitätsdiensten u.a..

Die Leistungserbringung und Abrechnung erfolgt anhand von Tourenplänen und Leistungsnachweisen und wird so transparent und nachvollziehbar gemacht.

Für Hinweise, Nöte und Beschwerden der Bewohner stehen alle Mitarbeiter zur Verfügung, die diese gemäß unserem Beschwerdemanagement an die Pflegedienstleitung weiterleiten.

Die Verantwortung für die Betreuung und Pflege der Bewohner (Leistungen nach SGBV, SGBXI und SGBXII) liegt bei der Pflegedienstleitung und den Qualitätsbeauftragten unserer Einrichtung.
Eine der Qualitätsbeauftragten ist Ansprechpartnerin für die Belange der Wohngemeinschaft. Sie leitet die monatlichen Teambesprechungen vor Ort, führt dabei u.a. Fallbesprechungen für die Bewohner/innen durch, organisiert gemeinsam mit den Mitarbeitern kulturelle Veranstaltungen und Ausflüge für die Bewohner, hält Kontakt zu den Betreuern und dem Vermieter, organisiert Wohnraumanpassungsmaßnahmen, führt Pflegevisiten durch und steht für Absprachen zur Verfügung.

 

Tagesablauf


Die Bewohner haben die Möglichkeit ihren Tagesablauf individuell zu gestalten, d.h. dass es keine pauschalen Zeiten zum Aufstehen, Waschen und Essen für alle gibt. Diese werden den individuellen Bedürfnissen der Bewohner angepasst.

Ebenso wird bei den Mahlzeiten Rücksicht auf individuelle Bedürfnisse genommen. Die Bewohner können den Speiseplan aktiv mitgestalten.

Das Bedürfnis nach Rückzug in das eigene Zimmer sowie auch das Bedürfnis nach Gemeinschaft wird von den Mitarbeitern respektiert und ermöglicht.

 

Besondere Veranstaltungen und Angebote


Neben Geburtstagsfeiern, dem Angebot von jährlichen Ausflügen und regelmäßigen musikalischen Veranstaltungen besteht ein Vertrag mit einem Therapiehundeverein. Wöchentlich besucht ein geschulter Therapiehund mit Begleiterin die Wohngemeinschaft.

Für spirituelle Bedürfnisse stehen Angebote des Stadtbezirks im Rahmen der Aktionen für eine demenzfreundliche Kommune, wie z.B. ein jährlicher Gottesdienst mit Demenzkranken zur Verfügung.

 

Entwicklung des Pflegebedarfes/ Weiterbildung der Mitarbeiter


In den ersten zwei Jahren nach Eröffnung der Wohngemeinschaft spielte Demenz nur eine Nebenrolle in der Palette der Diagnosen. Der hohe Pflegebedarf hatte verschiedene, meist körperliche Ursachen. Dies hat sich in den letzten vier Jahren entscheidend geändert. Derzeit haben alle Bewohner neben körperlichen Einschränkungen die Diagnose Demenz, in verschiedenen Ausprägungen und Graden. Das hat die Betreuung und Pflege grundlegend beeinflusst. Es ist für die Pflegedienstleitung elementar, dass die Mitarbeiter die Grundsätze der Demenzbetreuung kennen und in der Lage sind, diese umzusetzen. Nur so können sie den besonderen Bedürfnissen der ihnen anvertrauten Bewohner/innen gerecht werden.

Da in der gesamten ambulanten Betreuung und Pflege die Zahl der Demenzkranken stark zugenommen hat und weiter zunimmt, hat die Geschäftsleitung den Mitarbeitern eine gerontopsychiatrische Zusatzausbildung von 120 Stunden ermöglicht.

Bei der täglichen Arbeit mit Demenzkranken steht die Validation im Vordergrund, d.h. für die Mitarbeiter, dass sie demenzkranken Patienten wertschätzend und einfühlsam begegnen. Sie gehen auf ihre Gefühlsebene ein, vermeiden dabei, die Patienten zu korrigieren bzw. ihnen ihre Defizite vor Augen zu führen.

Unsere Mitarbeiter begleiten die Bewohner professionell, aber auch menschlich nah und ermöglichen ihnen einen würdigen Lebensabend. Dabei sind sie neben ihren pflegerischen Tätigkeiten einem hohen Maß an psychischer Belastung ausgesetzt. Um sie dabei zu stärken und aufzufangen, ermöglicht die Geschäftsleitung nach Bedarf ein professionelles Teamcoaching.

 

Besonderheiten der Betreuung und Begleitung


Jeder Bewohner benötigt eine individuelle Begleitung, die oft nur biographisch verstanden werden kann. Deshalb wird auf biographische Informationen großer Wert gelegt.
Es ist z.B. sehr wichtig, geliebtes Inventar sichtbar im neuen Zimmer zu integrieren. Das erleichtert die Umstellung. Auch Essens- und Bekleidungsgewohnheiten sowie Kenntnis über Interessen und Abneigungen der neuen Bewohner sind sehr hilfreich. Es gilt, Rückzugsbedürfnisse zu erkennen und zu ermöglichen, ebenso wie Kontaktbedürfnisse.

Der Umzug eines neuen Bewohners in die Wohngemeinschaft erfordert von den Mitarbeitern eine hohe Sensibilität. Der Schmerz des Verlustes der alten Häuslichkeit, der oft nur gefühlsmäßig artikuliert werden kann, muss aufgefangen werden.

Es ist insgesamt fast immer positiv zu erleben, dass Patienten bei Einzug in die Wohngemeinschaft nach einer gewissen Zeit der Eingewöhnung und des Vertrautwerdens oft enorm aufblühen. Beim gemeinsamen Singen, Spielen, Essen, Basteln etc. werden Ressourcen wachgerufen, die oft durch Einsamkeit tief verschüttet lagen. Scheinbar verlorengegangene Fähigkeiten werden wiedererlangt. Gemeinsame Feiern und Ausflüge verbinden ebenso wie der Alltag mit vertrauten Abläufen.

Eine besondere Herausforderung für die Mitarbeiter ist das Sterben von Bewohnern innerhalb der Wohngemeinschaft. Der Abschied von einem vertraut gewordenen Menschen ist für die Bewohner und Mitarbeiter gleichermaßen zu verarbeiten. Es ist wichtig, den Bewohnern ein würdevolles Abschiednehmen zu ermöglichen und Raum für das Trauern um den Verstorbenen zu geben. Dafür werden symbolische Elemente und gemeinsame Gespräche genutzt.

 

Zusammenarbeit mit den Betreuern und Angehörigen


Die Angehörigen und Betreuer werden über Besonderheiten der Bewohner informiert, in den Prozess der Betreuung einbezogen und nach Bedarf beraten. Dies geschieht in persönlichen Gesprächen und durch schriftliche und telefonische Informationen seitens der Mitarbeiter.

Jährlich finden ein Betreuer- und Angehörigentreffen und ein gemeinsames Grillfest in der Wohngemeinschaft statt.

Auch der Kontakt zwischen Bewohnern und Betreuern/ Angehörigen wird durch die Mitarbeiter gefördert bzw. vermittelt.

Wohnraumanpassungsmaßnahmen werden mit Betreuern/ Angehörigen und dem Vermieter gemeinsam besprochen und organisiert.

 

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